Einleitung

Nach acht Wochen täglichem Loopen passt unser Urteil in einen Satz: Der Sheeran Looper + ist der am einfachsten zu bedienende Looper, den wir angeschlossen haben, und der passendste für das Duo aus Akustikgitarre und Stimme. XLR-Mikrofoneingang mit eigenem Gain, zwei breite Fußschalter, vier klar lesbare Loop-Modi, Batteriebetrieb: Alles ist aufs Spielen ausgelegt, nicht aufs Programmieren. Die Grenzen sind ebenso deutlich: keine Phantomspeisung, keine integrierten Rhythmen, nur zwei Spuren.

Anfang 2023 gestartet, entstand die Marke Sheeran Loopers aus der Zusammenarbeit von Ed Sheeran und HeadRush, das für das DSP verantwortlich zeichnet. Die Idee: den Loop-Workflow, den Sheeran im Stadion nutzt und bei dem ein ganzer Song live Schicht für Schicht entsteht, in ein bezahlbares Pedal zu übertragen. Wir haben den Looper + acht Wochen lang getestet, zu Hause und in kleinen Sälen, mit einem Repertoire aus Gitarre und Gesang. Hier ist, was er wirklich taugt.

Design und Verarbeitung

Der Looper + ist kein Pedalboard-Pedal: Er ist ein kleines Pult von 21,6 × 15,9 cm bei 1,7 kg, das man vor sich auf den Boden stellt. Die leicht geneigte Oberfläche hält das Display im Stehen lesbar, ein Detail, das beim Singen zählt. Das Gehäuse weckt Vertrauen: Nichts wackelt, nichts knarzt, und die beiden breiten Fußschalter aus Aluminiumguss geben mit weichem, fast lautlosem Widerstand nach. Bei einer Mikrofonaufnahme ist diese mechanische Stille alles andere als nebensächlich: Kein störendes Klacken brennt sich in den Loop ein.

Die Logik der Bedienfläche ist glasklar. Links der Fußschalter für Aufnahme und Wiedergabe, rechts der Stopp. Ein langer Druck löst das Rückgängigmachen (links) oder Löschen (rechts) aus, ein Doppeldruck wechselt die Spur. Darüber drei Gain-Regler (Instrument, Mikrofon, Summenausgang), jeweils flankiert von einer LED-Pegelkette: Man stellt seine Pegel im Blick ein, selbst auf einer dunklen Bühne. Das 1,8-Zoll-Farbdisplay und das klickbare Rad vervollständigen das Ganze; die Menüführung wirkt optisch angestaubt, aber man verliert sich nie darin.

Rückseitig deckt die Anschlusssektion das Wesentliche ab: Combo-Mikrofoneingang XLR/symmetrische Klinke, ein Paar Instrumenteneingänge, Stereo-Klinkenausgänge (als Stereo, Mono oder Split konfigurierbar), MIDI-Eingang auf Miniklinke mit beiliegendem Adapter, Buchse für externen Fußschalter und USB-B-Port. Zwei Vorbehalte: MIDI gibt es nur als Eingang, und das 9-V-Netzteil liegt nicht bei. Dafür legt Sheeran Loopers vier AA-Batterien bei, die in unserem Einsatz über sechs Stunden durchhielten: In diesem Punkt ist der Looper + ein echter Straßenbegleiter.

Bedienung: vier Modi, null Handbuch

Das ist die große Stärke des Produkts. Unseren ersten sauberen Loop haben wir binnen fünf Minuten nach dem Auspacken aufgenommen, ohne Dokumentation. Der Workflow hat die Schlichtheit eines Tonbandgeräts: drücken, spielen, wieder drücken, der Loop läuft.

Die vier Modi strukturieren die Anwendungsfälle ohne Fachjargon:

  • Single: eine Spur, unbegrenzte Schichten. Der Reflexmodus zum Üben oder zum Aufbau einer Textur.
  • Multi: zwei Spuren gleicher Länge, im Stil eines Mischpults. Praktisch, um Gitarre und Gesang zu trennen und die eine ohne die andere stummzuschalten.
  • Sync: zwei Spuren unterschiedlicher Länge, aber synchronisiert. Unser Favorit: eine kurze Rhythmusfigur auf Spur 1, eine lange Gesangsfläche auf Spur 2, und alles bleibt im Raster.
  • Song: zwei unabhängige Spuren, um verschiedene Abschnitte aneinanderzureihen, Strophe und dann Refrain. Das ist der Modus „kompletter Song“, dem Bühnen-Workflow von Ed Sheeran am nächsten.

Die erwarteten Funktionen sind da: Undo/Redo, spurweises Löschen, Reverse, halbe Geschwindigkeit, Fade, Solo, Mute. Ein Stimmgerät ist integriert; es hilft im Notfall, doch ein dediziertes Stimmgerät wie das TC Electronic Polytune 3 bleibt auf dem Pedalboard schneller und besser ablesbar (unser Vergleich der Gitarren-Stimmgeräte beleuchtet die Frage vollständig).

Der einzige Ergonomie-Haken ist das Standardverhalten des Fußschalters: Die Abfolge Aufnahme, dann Overdub, dann Wiedergabe verlangt beim zweiten Druck präzises Timing. Wir haben die Reihenfolge (Aufnahme, Wiedergabe, Overdub) in dreißig Sekunden im Menü umgestellt, und das Problem war weg. Der USB-Port schließlich macht den Looper + zum Audio-Interface und erlaubt Import und Export der Loops als WAV: So haben wir eine im Loop entstandene Songidee geholt, um sie im Homestudio sauber weiterzubearbeiten.

Im Praxiseinsatz

Unser Testaufbau: eine direkt angeschlossene Taylor GS Mini-e, ein dynamisches Mikrofon am XLR-Eingang, der Stereoausgang an eine kompakte PA. Zuerst zu Hause, dann auf zwei offenen Bühnen.

Erste Feststellung: Der Klang ist transparent. Die interne 32-Bit-Aufnahme färbt nicht und komprimiert nicht; nach sechs oder sieben übereinandergelegten Schichten bleibt der Loop definiert, ohne den digitalen Schleier, den wir von Einsteiger-Loopern kennen. Die getrennten Gains für Instrument und Mikrofon mit ihren LED-Anzeigen erlauben es, Gitarre und Stimme in Sekunden auszubalancieren, ganz ohne Mischpult.

Auf kleiner Bühne ergibt das Format seinen vollen Sinn. Einen Song im Song-Modus vor Publikum aufzubauen — Perkussion auf der Gitarrendecke als Rhythmusspur, Arpeggien und Chöre darüber — funktioniert ohne Stress: Die Fußschalter sind breit genug, um sie nie zu verfehlen, der Fortschrittsbalken auf dem Display zeigt die Position im Loop, und der Stopp trennt sauber, ohne hörbare Latenz. Die Terrassen-Session mit Batterien, ganz ohne Steckdose, bleibt unsere schönste Erinnerung an den Test.

Die Grenzen zeigen sich im selben Kontext. Ohne integrierten Rhythmus und ohne Perkussion liegt die Tempodisziplin vollständig bei dir: eine schlecht gesetzte erste Schicht verurteilt den Song. Das Fehlen der Phantomspeisung verwehrte uns das Studio-Kondensatormikrofon; das dynamische musste wieder hervor. Und die beiden Spuren, von den Modi Sync und Song sehr gut ausgereizt, bleiben eben zwei Spuren: Wer Bass, Rhythmus, Fläche und Stimme auf getrennten Kanälen isolieren will, stößt an die Decke.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Positionierung ist stimmig, aber nicht unschlagbar. Der natürliche Konkurrent ist die Boss RC-10R, die wir ebenfalls getestet haben: gleiche Preisklasse, entgegengesetzte Philosophie.

Modell Spuren Rhythmen XLR-Mikrofoneingang ≈ Preis Für wen
Sheeran Looper + 2 Nein Ja (ohne 48 V) ≈ 299 € Singende Gitarristen, die Stimme und Gitarre einfach loopen wollen, auch mit Batterien
Boss RC-10R 2 Über 280 integrierte Rhythmen Nein ≈ 279 € Solomusiker, die eine Rhythmussektion und programmierte Song-Endings wollen

Die Wahl läuft auf eine Frage hinaus: Stimme oder Schlagzeug? Der Looper + ist der einzige der beiden mit einem echten XLR-Mikrofoneingang samt Vorverstärker und eigenem Gain; die RC-10R ist die einzige, die Rhythmen liefert. Für ein Set aus Gitarre und Gesang à la Ed Sheeran ist der Looper + in dieser Preisklasse das direkteste Werkzeug am Markt. Man muss nur akzeptieren, für eine Box ohne Effekte und ohne Rhythmen zu zahlen, mit Netzteil als Option: Der Wert liegt im Workflow, nicht in der Funktionsliste.

Fazit

Für wen?

Ideal für:

  • Singende Gitarristinnen und Gitarristen, die Akustikgitarre und Stimme loopen, zu Hause wie auf kleiner Bühne
  • Straßenmusiker: Batterielaufzeit, sofortige Betriebsbereitschaft, Robustheit
  • Alle, die das Loopen entdecken und ein Gerät wollen, das man in fünf Minuten versteht
  • Songwriter, die Songs in Schichten skizzieren und dann als WAV exportieren

Weniger geeignet für:

  • Nutzer von Kondensatormikrofonen, mangels Phantomspeisung
  • Alle, die einen integrierten Drumcomputer wollen: Für sie ist die Boss RC-10R gemacht
  • Komplexe Mehrspur-Arrangements, durch die zwei Spuren begrenzt
  • Fortgeschrittene MIDI-Setups, da das Gerät die Synchronisation nur empfängt

Unser Fazit

Acht Wochen später ist der Looper + am Ende der Kette angeschlossen geblieben, und das ist das größte Kompliment, das man ihm machen kann. Sheeran Loopers und HeadRush haben nicht versucht, Funktionen zu stapeln: Sie haben einen Anwendungsfall ins Visier genommen — die Musikerin oder den Musiker, die live einen Song mit Gitarre und Stimme aufbauen — und ihn mit seltener Konsequenz bedient. Die Bedienung ist vorbildlich, der Klang sauber, die Modi Sync und Song sind wirklich nützlich, und die Batterielaufzeit eröffnet Einsätze, die die Konkurrenz ignoriert.

Seine Lücken sind bewusst gesetzt und vor dem Kauf überprüfbar: keine 48 V, keine Rhythmen, zwei Spuren, Netzteil extra. Wenn deine Praxis in diesen Rahmen passt — und das gilt für die meisten Sets aus Gitarre und Gesang —, sehen wir zu diesem Preis nichts Wirksameres. Der Looper + wird unser Wohnzimmer so schnell nicht verlassen.

Preisangaben sind unverbindlich.


Test über 8 Wochen mit einer Taylor GS Mini-e und einem dynamischen Mikrofon, zu Hause und bei offenen Bühnen, mit einem Repertoire aus Gitarre und Gesang.