Fender Player II Mustang im Test: unser Urteil nach 6 Wochen

Einleitung
Sechs Wochen mit der Fender Player II Mustang im Finish Birch Green, und das Urteil passt in einen Satz: Das ist keine Zweitgitarre, sondern ein vollwertiges Hauptinstrument — und nicht nur für Indie und Garage, die ihre Legende begründet haben. Die kurze Mensur macht das Spiel erstaunlich leicht, die beiden Mustang-Singlecoils liefern eine klare, durchsetzungsfähige Klangfarbe, die keine Stratocaster nachahmen kann, und die feste Brücke erledigt die Stimmfrage endgültig. Im Gegenzug muss man ein kürzeres Sustain akzeptieren, das einzige echte Zugeständnis des Formats.
Die Mustang trägt seit sechzig Jahren einen zwiespältigen Ruf: bei ihrer Geburt 1964 eine Schülergitarre, seit den 1990ern Ikone der Grunge- und Indie-Szene, gilt sie weiterhin als die „Kleine“ im Fender-Katalog. Die Version Player II, in Ensenada gefertigt wie die von uns getestete Player II Stratocaster, will ihr dieselben Argumente für Ernsthaftigkeit geben: Palisandergriffbrett, ClassicGear-Mechaniken, überarbeitete Verarbeitung. Wir haben sie sechs Wochen gespielt, zu Hause und im Proberaum, um herauszufinden, ob sie mehr verdient als ihr Image.
Design und Verarbeitung
Ein Format, das alles verändert
Stell eine Mustang neben eine Stratocaster, und der Unterschied springt ins Auge: kleinerer Korpus, kürzerer Hals, versetzte Silhouette mit jenem asymmetrischen Doppel-Cutaway, das für die „Offsets“ typisch ist. Der Korpus besteht aus Erle wie im Rest der Player-II-Reihe, und unser Exemplar in Birch Green ist rundum gelungen: ein dezentes gräuliches Grün, betont vom dreilagigen Schlagbrett in Pergamentfarbe und vom dunklen Palisandergriffbrett. Ein Finish, das bei jeder Probe Kommentare hervorruft.
In der Hand ist die Gitarre leicht und kompakt. Auf dem Sofa sitzend oder am Ende einer Probe stehend ist der Unterschied in der Ermüdung gegenüber einer Standardgitarre real. Der satinierte Ahornhals im Profil Modern C übernimmt das Rezept der Player II Stratocaster: 22 sauber abgerichtete Medium-Jumbo-Bünde, verrundete Griffbrettkanten, ein korrekt gefeilter 42-mm-Sattel aus Kunstknochen.
Kurze Mensur und feste Brücke
Der Kern der Sache ist die Mensur von 610 mm (24 Zoll) gegenüber 648 mm bei einer Stratocaster. Konkret: Die Bünde liegen enger beieinander, die Saitenspannung sinkt bei gleicher Stärke spürbar, Bendings gelingen aus den Fingerspitzen, und Barrégriffe ermüden deutlich weniger. Nach sechs Wochen fühlt sich die Rückkehr zu einer langen Mensur an, als kämpfe man mit dem Instrument.
Bei der Hardware hat Fender eine klare Entscheidung getroffen: Weg mit dem Dynamic-Vibrato der Vintage-Mustangs, her mit einer festen Brücke mit sechs gebogenen Stahlreitern und Saiten durch den Korpus. Puristen werden den schwebenden Charme des Originals vermissen, doch im Gebrauch ist die Rechnung schnell gemacht: Unser Exemplar hält die Stimmung über eine ganze Probe ohne Nachstimmen, wo Mustangs mit Vibrato ständige Aufmerksamkeit verlangten. Die ClassicGear-Mechaniken erledigen ihre Arbeit, ohne zu glänzen — derselbe Befund wie bei der Stratocaster der Reihe. Eine Tasche liegt nicht bei, was in dieser Preisklasse diskutabel bleibt.
Klang
Die Mustang-Klangfarbe: durchsetzungsfähig und unmittelbar
Die beiden Singlecoils Player Series Alnico 5 Mustang versuchen gar nicht erst, wie eine Stratocaster zu klingen — und genau darin liegt ihr Wert. Der Steg-Tonabnehmer ist fein, schnalzend, im oberen Spektrum fast aggressiv: perfekt, um eine Rhythmusfigur in einem vollen Mix hervortreten zu lassen. Der Hals-Tonabnehmer ist runder, behält aber eine nervöse Definition, ohne den Samt eines Strat-Hals-Tonabnehmers. Die Zwischenposition mit beiden Tonabnehmern ergibt einen ausgehöhlten, leicht metallischen Klang, der an das „Quack“ einer Stratocaster erinnert, ohne je damit verwechselt zu werden.
Der Dreiwegschalter und das einzelne Paar aus Volume und Tone fassen die Philosophie zusammen: einstecken und spielen. Und entgegen dem Ruf als Ein-Register-Gitarre, der dem Modell anhaftet, decken diese drei Sounds viel ab: Clean-Pop, Blues am Hals-Tonabnehmer, klassische Rock-Rhythmen — die Mustang ist weit über ihr angestammtes Indie-Terrain hinaus präsent.
Anschlag, Sustain und Verzerrung
Kurze Mensur und feste Brücke formen das dynamische Verhalten: Der Anschlag ist durchsetzungsfähig, fast perkussiv, und das Sustain ist objektiv kürzer als bei unserer Player II Stratocaster. Bei langsamen Clean-Arpeggien verklingt der Ton schneller; das sollte man wissen. Bei straffen Crunch-Rhythmen wird dieses kurze Sustain dagegen zur Qualität: Jeder Plektrumschlag bleibt klar, Akkorde verwaschen nicht.
Mit Verzerrung behalten die Mustang-Singlecoils ihre Definition bis in einen satten Crunch, mit jenem leicht säuerlichen Garage-Korn, das den Ruf des Modells begründet hat. In starker Verzerrung brummen sie wie alle Singlecoils, und der fehlende Fülle macht sich bemerkbar: Die Mustang ist keine Maschine für große moderne Sounds — und hat das nie behauptet.
Unter realen Bedingungen
Wir haben den Test zwischen Zuhause und Proberaum aufgeteilt, im Register Indierock, Garage und Punk. Am ausgereizten Fender Pro Junior IV ist die Verbindung naheliegend: Der natürliche Crunch des kleinen Röhrencombos und der Anschlag der Mustang erzeugen genau jenen nervösen Garagensound, den man mit anderen Gitarren stundenlang sucht. Der Steg-Tonabnehmer setzt sich durch das Schlagzeug durch, ohne die Lautstärke zu forcieren.
Zu Hause, an einem Yamaha THR30II, erwies sich die Gitarre als ideal für kurze Sessions: leicht, kompakt, immer gestimmt, wurde sie zum Instrument, das man als Erstes greift. Das ist übrigens eine Falle: Die als Ergänzung zu einer Stratocaster gekaufte „Zweitgitarre“ hat diese am Ende wochenlang an die Wand verbannt.
Die echten Grenzen sind seltener als erwartet: Bei Blues-Soli mit langen gehaltenen Tönen zwingt das kurze Sustain zum Umdenken in der Phrasierung, und das Funk-Vokabular der Zwischenpositionen einer Strat existiert hier nicht. Ansonsten fügte sich die Mustang mühelos in jedes Register, das wir ihr vorgelegt haben.
Preis-Leistung
Unterhalb der Stratocaster derselben Reihe positioniert, besetzt die Player II Mustang eine interessante Nische: den Preis einer echten mexikanischen Fender, mit einem Charakter, den die direkte Konkurrenz nicht bietet.
| Modell | Tonabnehmer | Mensur | ≈ Preis | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| Fender Player II Mustang | 2 Singlecoils Alnico 5 Mustang | 610 mm | ≈ 684 € | Indie-, Garage- und Punk-Fans, die klaren Charakter wollen |
| Fender Player II Stratocaster | 3 Singlecoils Alnico 5 | 648 mm | ≈ 799 € | Vielseitige Spieler, die alle Stile abdecken wollen |
| Squier Affinity Telecaster | 2 Keramik-Singlecoils | 648 mm | ≈ 257 € | Anfänger mit knappem Budget |
Gegenüber einer Squier Affinity Telecaster kauft der Preisunterschied eine Fertigung aus Ensenada, Alnico-5-Tonabnehmer, bessere Hardware und einen echten Wiederverkaufswert. Gegenüber ihrer großen Stratocaster-Schwester kostet die Mustang weniger und bietet dieselbe Fertigungsqualität: Die Wahl fällt nicht übers Budget, sondern über den gesuchten Charakter.
Die Bewertung der Vielseitigkeit beruht auf dem einfachen Schalter und dem kurzen Sustain — doch täusche dich nicht: In der Praxis deckt diese Gitarre weit mehr Stile ab, als ihr Ruf vermuten lässt.
Fazit
Für wen?
Ideal für:
- Indie-, Garage-, Punk- und Shoegaze-Gitarristen auf der Suche nach der Mustang-Klangfarbe
- Kleine Hände und alle, die eine lange Mensur ermüdet
- Alle, die eine leichte, kompakte und stets gestimmte Gitarre wollen
- Das Zweitinstrument, das am Ende das erste wird
Weniger geeignet für:
- Blues- und Rock-Solisten, die von langen gehaltenen Tönen leben
- Metal und starke moderne Verzerrung
- Alle, die ohne die Zwischenpositionen einer Stratocaster nicht leben können
- Puristen des Dynamic-Vibratos der Vintage-Mustangs
Unser Urteil
Die Player II Mustang gewinnt ihre Wette: eine zur alternativen Ikone gewordene Schülergitarre in ein ernstzunehmendes Instrument zu verwandeln, ohne ihren Charakter zu verraten. Die kurze Mensur ist ein tägliches Vergnügen, die feste Brücke räumt die Stimmlaunen der historischen Mustangs aus dem Weg, und die Fertigung aus Ensenada liegt auf dem Niveau, das wir bei der Stratocaster der Reihe festgestellt haben.
Ihre Schwächen lassen sich an einer Hand abzählen: kurzes Sustain, Brummen bei starker Verzerrung, fehlende Tasche. Ansonsten erwies sie sich als weit vielseitiger als ihr Image: Wenn dein Repertoire von nervösen Rhythmusfiguren und charaktervollen Sounds lebt, ist das keine Gitarre zum Ausprobieren, sondern eine zum Adoptieren. Und misstrau dem Etikett „Zweitgitarre“: Unsere verlässt den Hauptständer nicht mehr.
Preise als Richtwerte.
Getestet über 6 Wochen an Fender Pro Junior IV und Yamaha THR30II, in Indierock, Garage, Punk und Blues, zu Hause und im Proberaum.
Stärken
- Sehr bequeme kurze Mensur, verringerte Saitenspannung
- Sofort erkennbarer, durchsetzungsfähiger Charakter, vielseitiger als erwartet
- Leichte und kompakte Gitarre, ideal zu Hause wie im Proberaum
- Feste Brücke mit Saiten durch den Korpus: sehr stabile Stimmung
- Wunderschönes Birch-Green-Finish, ernsthafte Fertigung aus Ensenada
Schwächen
- Kürzeres Sustain als bei einer Stratocaster — bewusst, aber real
- Kein Vibrato; Puristen der Vintage-Mustang werden stutzen
- Singlecoils bei Verzerrung brummempfindlich
- Keine Tasche im Lieferumfang
Häufige Fragen
Was unterscheidet eine Mustang von einer Stratocaster?
Die Mustang hat eine kurze Mensur von 610 mm gegenüber 648 mm bei der Stratocaster, zwei statt drei Tonabnehmer und einen Dreiwegschalter. Das Ergebnis: weniger Saitenspannung, ein durchsetzungsfähigerer Anschlag, kürzeres Sustain und ein kompakteres Format.
Hat die Fender Player II Mustang ein Vibrato?
Nein. Anders als die mit dem Dynamic-Vibrato ausgestatteten Vintage-Mustangs setzt die Player II Mustang auf eine feste Brücke mit sechs gebogenen Stahlreitern und Saiten durch den Korpus. Der historische Schwebeeffekt entfällt, dafür gewinnt man deutlich bessere Stimmstabilität und einen einfacheren Saitenwechsel.
Eignet sich die kurze Mensur der Mustang für Anfänger?
Ja, das ist sogar eine ihrer großen Stärken. Die Mensur von 610 mm verringert die Saitenspannung und rückt die Bünde näher zusammen: Barrégriffe und Bendings verlangen weniger Kraft. Die Mustang wurde 1964 übrigens als Schülergitarre entworfen, bevor sie von der Grunge- und Indie-Szene adoptiert wurde.
Wo wird die Fender Player II Mustang gefertigt?
Wie die gesamte Player-II-Reihe wird die Mustang in Mexiko im Fender-Werk in Ensenada gefertigt, in dem auch die Player II Stratocaster und Telecaster entstehen. Die Fertigungsqualität ist dort heute sehr konstant, mit sorgfältigen Finishes und ernsthafter Qualitätskontrolle.
Welche Stile passen zu einer Mustang?
Die Mustang glänzt in Indierock, Garage, Punk, Shoegaze und Lo-Fi-Pop: Ihr durchsetzungsfähiger Anschlag und ihr kurzes Sustain kommen nervösen Rhythmusfiguren zugute. Auch in Blues, Pop und klassischem Rock fühlt sie sich sehr wohl. Nur stark verzerrtes, metalorientiertes Spiel verlangt eher nach Humbuckern.