Line 6 HX One im Test: unser Fazit nach 2 Monaten auf dem Pedalboard

Einleitung
Nach zwei Monaten auf unserem Pedalboard ist das Urteil eindeutig: Das Line 6 HX One ist der beste Weg, Helix-Effekte einem Board aus Analogpedalen hinzuzufügen — sofern man seine Spielregel akzeptiert, nämlich ein Effekt gleichzeitig. Überwiegend für Modulation, Delay und Hall eingesetzt, vor dem Amp und anschließend im Effektweg eines Marshall DSL20HR, hat es seine Rolle ohne Schwäche erfüllt. Es ist kein Multieffekt im üblichen Sinn: Es ist ein Chamäleon-Pedal, das zum Chorus, zum Delay oder zum Hall wird, den man an diesem Abend braucht. Ob dieser Ansatz zu dir passt, ist die eigentliche Frage.
Design und Verarbeitung
Ende 2023 erschienen, übernimmt das HX One die Formensprache der Helix-Serie: nüchternes Gehäuse, zentrales OLED-Display, vier Encoder (drei Parameter-Encoder unter dem Display und ein EFFECT-Wahlschalter), PAGE- und HOME-Taster für die Navigation und zwei Fußschalter (ON und TAP|FLUX). Das Format belegt den Platz eines klassischen Kompaktpedals auf dem Board, und genau das ist das Argument: über 250 Effekte auf der Fläche eines einzigen Pedals.
Die Verarbeitung weckt Vertrauen. Das Gehäuse ist steif, die Encoder laufen fest ohne spürbares Spiel, die Fußschalter schalten deutlich. Nach zwei Monaten regelmäßigen Ein- und Aussteckens, Transport im Gigbag inklusive, ist an den Buchsen kein Spiel aufgetreten. Anzumerken bleibt, dass die zwischen den beiden Fußschaltern freiliegenden Encoder ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit mit dem Fuß verlangen: in diesem Format nichts Ungewöhnliches, wer geschützte Potis gewohnt ist, wird aber daran denken.
Die Anschlüsse sind die eigentliche Stärke des Formats: Stereo-Ein- und -Ausgang auf 6,35-mm-Klinke, Eingang für ein Expression-Pedal, MIDI in/out und USB-C für Updates und Editing. Bei dieser Kompaktheit sind durchgängiges Stereo und MIDI selten, und das verändert die Einbindung in ein etwas strukturierteres Pedalboard ganz konkret.
Bei der Stromversorgung legt Line 6 das Netzteil bei: 9 V DC, Minuspol innen, 500 mA. Real zieht das Pedal rund 400 mA, weit mehr als ein Analogpedal. Wer es aus einem Mehrfachnetzteil speisen will, muss ihm einen Ausgang mit mindestens 500 mA reservieren; ein Standardausgang mit 100 mA reicht nicht. Vor dem Kauf einzuplanen, falls dein Netzteil schon ausgelastet ist.
Handhabung und Bedienung
Das Prinzip ist in dreißig Sekunden verstanden: Man wählt einen Effekt, das Display zeigt seine Parameter, die Encoder stellen sie ein, der linke Fußschalter aktiviert den Effekt. Für den einfachen Einsatz — ein Delay oder ein Chorus, einmal eingestellt — ist das Pedal sofort einsatzbereit.
Die Realität von über 250 Effekten (seit Firmware 3.70 mehr als 260) ist vielschichtiger. Navigiert wird nach Kategorien (Verzerrung, Modulation, Delay, Hall, Pitch, Filter, Dynamik), was hilft, doch Listen auf einem Display dieser Größe zu durchlaufen erfordert Disziplin. Unsere ersten beiden Wochen bestanden vor allem aus Erkunden, Notieren und dem Ablegen der brauchbaren Effekte in den 128 Presets. Ist diese Auswahl getroffen, wird der Alltag flüssig: Preset per Fuß oder MIDI aufrufen und spielen. Wer aber mitten in der Probe zwischen Effekten springen will, verbringt Zeit über das Pedal gebeugt.
Zwei Funktionen heben das Ganze. Zunächst das Tap-Tempo, per Fuß erreichbar, für Delays unverzichtbar. Dann der Flux-Modus, dem HX One eigen: Er lässt mehrere Parameter von Zustand A nach Zustand B gleiten, per Fuß oder über ein Expression-Pedal. Bei einem Hall, dessen Size und Mix man am Songende allmählich anhebt, ist der Effekt sehr musikalisch und verleiht diesem kleinen Pedal eine Ausdrucksstärke, die man sonst nur bei größeren Geräten findet. Die Note für die Bedienbarkeit (7/10) spiegelt diese Balance: einfacher Alltag, mühsameres Erkunden und Tiefen-Editing.
Klang
Das HX One trägt die Algorithmen der HX-Familie (Helix, HX Effects) in sich, ergänzt um die klassischer Line-6-Pedale wie DL4 oder M-Series, und man hört es. Wir haben es unserem Bedarf entsprechend vor allem in drei Familien eingesetzt: Modulation, Delay, Hall.
Die Modulationen sind die positive Überraschung des Tests. Die Chorus-Effekte sind dicht, ohne aufdringlich zu werden, die Phaser behalten Substanz in den Mitten, und die Tremolos laufen gleichmäßig und deutlich. In Stereo entfalten manche Modulationen eine Weite, die keines unserer kompakten Analogpedale bietet.
Die Delays decken das gesamte Spektrum ab, von dunklen Bandechos bis zu klaren Digital-Delays. Gegenüber einem TC Electronic Flashback liefert das HX One detailliertere Wiederholungen und mehr Varianten; der Flashback behält für sich die Unmittelbarkeit seiner vier Regler. Auf einem Board, auf dem sich das Delay kaum ändert, bleibt der TC sinnvoll; wer die Texturen von Song zu Song variieren will, ist mit dem HX One im Vorteil.
Die Halleffekte bewegen sich auf dem Niveau, das die Helix-Serie gewohnt ist: saubere Halls und Plates, lange Räume, die das Signal nicht verwaschen. Wer zwischen einem dedizierten Hallpedal und diesem vielseitigen Ansatz schwankt, sollte wissen: Ein dediziertes Pedal bleibt in der Bedienung direkter, das HX One bietet zehnmal mehr Optionen.
Die Drives des HX One haben wir wenig genutzt, unsere Zerre bleibt dedizierten Analogpedalen in der Linie eines Ibanez Tube Screamer TS9 vorbehalten. Die wenigen ausprobierten Overdrives wirkten überzeugend, unser Urteil zu dieser Familie bleibt aber oberflächlich: Wir zählen sie nicht in die Note.
Im Praxiseinsatz
Zwei Monate, zwei Konfigurationen. Zunächst vor dem Amp am Marshall DSL20HR, auf dem Clean-Kanal: Das HX One verhielt sich wie ein klassisches Pedal, ohne nennenswertes Rauschen und ohne störende Färbung des Signals im deaktivierten Zustand. Das ist die einfachste Konfiguration, passend für Modulationen vor dem Amp.
Dann im Effektweg, für Delays und Hall, mit der Zerre des Ultra-Gain-Kanals davor. Dort ergibt das Pedal seinen vollen Sinn: Wiederholungen und Hallfahnen bleiben hinter der Amp-Verzerrung sauber, während dieselben Effekte vor dem Amp schnell matschig wurden. Schaltet man den Effekt per Fuß ab, lässt der voreingestellte DSP-Bypass Delay- und Hallfahnen natürlich ausklingen, ohne abruptes Abschneiden. Ein Erhalten der Fahnen beim Preset-Wechsel dokumentiert Line 6 dagegen nicht: Plane deine Übergänge besser für Momente, in denen ein Abschneiden vertretbar bleibt. Das Tap-Tempo per Fuß erwies sich in der Probe als zuverlässig.
Im Alltag hat sich unser Einsatz so eingependelt: rund zehn sauber benannte Presets, das Pedal am Ende der Effektwegkette, der Flux-Modus einem Hall-Anschwellen zugewiesen. So genutzt, neben Analogpedalen mit festen Rollen, gerät es in Vergessenheit — im besten Sinn. Die strukturelle Grenze bleibt: Verlangt ein Song Helix-Chorus und -Delay gleichzeitig, muss man wählen oder ein weiteres Pedal hervorholen.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Die Positionierung des HX One erschließt sich im Vergleich mit seinen Nachbarn besser:
| Pedal | Gleichzeitige Effekte | Stereo | MIDI | Preis | Für wen |
|---|---|---|---|---|---|
| Line 6 HX One | 1 (über 250 verfügbar) | Ja | Ja | ≈ 249 € | Ein Analog-Board ergänzen |
| Line 6 HX Stomp | Komplette Kette | Ja | Ja | ≈ 599 € | Ein Pedalboard ersetzen |
| TC Electronic Flashback 2 | 1 (nur Delay) | Nein | Nein | ≈ 105 € | Ein einfaches, direktes Delay |
Gemessen an der Zahl der Effekte und der Qualität der Algorithmen ist der Preis stimmig: Jede abgedeckte Effektfamilie entspricht einem eingesparten dedizierten Pedal — zumindest solange man darauf verzichtet, sie zu stapeln. Die vollständigen Anschlüsse (Stereo, MIDI, Expression) rechtfertigen zudem den Abstand zu kompakten digitalen Einzeleffekten. Wer schon weiß, dass er mehrere Helix-Effekte gleichzeitig braucht, investiert besser in ein HX Stomp; das HX One zielt auf jene, die ihr Board behalten und ihm einen Joker hinzufügen wollen.
Fazit
Für wen? Für Gitarristinnen und Gitarristen mit Analogpedalen, die Helix-Modulationen, -Delays und -Halleffekte ergänzen wollen, ohne das halbe Pedalboard zu opfern. Wer MIDI nutzt und Presets von einem Controller aufruft, findet hier ein besonders wirksames Werkzeug.
Für wen nicht? Für alle, die ein vollständiges Multieffektgerät in einer Box suchen: Ein Effekt gleichzeitig ist die Regel, und sie lässt sich nicht umgehen. Ebenso wenig für jene, die sich weigern, ihre Sounds über Display und Menüs einzustellen.
Nach zwei Monaten hat sich das HX One seinen festen Platz auf unserem Board verdient. Die Klangqualität ist der eigentliche Treiber der Note: Helix-Effekte in diesem Format, mit Stereo, MIDI und Flux-Modus, zu diesem Preis bietet derzeit niemand sonst. Die Vorbehalte sind real, aber im Voraus bekannt: ein Effekt gleichzeitig, eine Navigation, die Einarbeitung verlangt, und ein anspruchsvoller Strombedarf. Wenn dich diese drei Punkte nicht aufhalten, ist es ein leicht zu empfehlender Kauf.
Preisangaben sind unverbindlich.
Stärken
- Helix-Klangqualität, besonders bei Modulationen und Hall
- Über 250 Effekte auf einem einzigen Pedalboard-Platz
- Stereo-Ein-/Ausgänge, MIDI und Expression-Eingang: in diesem Format selten
- Ausdrucksstarker Flux-Modus, per Fuß steuerbar
- Fügt sich sauber vor dem Amp wie im Effektweg ein
Schwächen
- Konstruktionsbedingt nur ein Effekt gleichzeitig aktiv
- Durch über 250 Effekte auf einem kleinen Display zu navigieren erfordert Disziplin
- Hoher Strombedarf: an einem Mehrfachnetzteil braucht es einen Ausgang mit mindestens 500 mA
- Tiefes Editieren der Parameter bleibt langsamer als an einem dedizierten Pedal
Häufige Fragen
Kann das Line 6 HX One ein vollwertiges Multieffektgerät ersetzen?
Nein. Das HX One lässt nur einen Effekt gleichzeitig laufen: Es ergänzt ein bestehendes Pedalboard, statt es zu ersetzen. Wer modellierten Amp, Drive, Delay und Hall gleichzeitig stapeln will, braucht ein HX Stomp oder ein Helix, die für komplette Signalketten gedacht sind.
Wie viele Effekte kann das HX One gleichzeitig aktivieren?
Nur einen. Das ist das Prinzip des Pedals: Über 250 Effekte aus der HX-Familie (Helix, HX Effects) und von klassischen Line-6-Pedalen (DL4, M-Series) stehen bereit, geladen ist aber immer nur einer. Die 128 Presets erlauben es dafür, die Lieblingseffekte vorab abzulegen und per Fuß oder MIDI zu wechseln.
Ist das HX One mit einem Bass kompatibel?
Ja, das Pedal nimmt ein Basssignal an, und der zugrunde liegende Helix-Katalog enthält passende Effekte (Kompressoren, Octaver, Filter). Wir haben es allerdings nicht in einem Bass-Setup getestet: Prüfe, ob die für dich interessanten Effekte tatsächlich in der Liste stehen.
Welches Netzteil braucht das Line 6 HX One?
Ein Netzteil mit 9 V DC, Minuspol innen, das 500 mA liefern kann. Die gute Nachricht: Das Netzteil liegt bei. Wer lieber ein Mehrfachnetzteil nutzt, reserviert dem Pedal einen Ausgang mit mindestens 500 mA; ein Standardausgang mit 100 mA reicht nicht.