Fender Blues Junior IV im Test: unser Urteil nach zwei Monaten

Einleitung
Zwei Monate Proben, zwei Konzerte in Bars und viele Abende, an denen wir zu Hause lauter gespielt haben als vernünftig: Der Fender Blues Junior IV ist genau das, was sein Ruf verspricht. Es ist der unkomplizierteste Röhrencombo, den wir seit Langem angeschlossen haben — mit einem unmittelbaren Fender-Cleansound, einem Crunch, der beim Aufdrehen von selbst kommt, und einem Federhall, den man nie mehr ausschalten möchte. Seine Grenzen sind bekannt und akzeptiert: ein einziger Kanal, kein Effektweg und eine Clean-Reserve, die gegen einen entfesselten Schlagzeuger an ihre Grenzen stößt. Wenn du einen Röhrenverstärker ohne Umstände suchst, lautet die kurze Antwort: Ja, er verdient seinen Klassikerstatus. Die lange Antwort folgt.
Design und Verarbeitung
Der Blues Junior IV behält das Format bei, das die Serie seit den 1990ern erfolgreich macht: ein kompakter Combo, deutlich kleiner als ein Hot Rod Deluxe, der dennoch einen 12-Zoll-Lautsprecher beherbergt. Die vierte Version bringt abgerundete Kanten, einen leicht neu gezeichneten Bespannstoff und den „Dog Bone“-Griff der Vintage-Verstärker der Marke. Im Wohnzimmer wirkt er wie ein ernsthafter Verstärker, ohne den halben Raum zu belegen; mit 14,3 kg trägt man ihn ohne Reue einhändig zum Auto.
Unter der Haube ist das Rezept klassisch: drei 12AX7 in der Vorstufe, zwei EL84 in der Endstufe und eine Federhall-Schaltung. Das oben montierte Bedienfeld beschränkt sich aufs Wesentliche: Volume, Master, Dreiband-Klangregelung, Reverb und der kleine FAT-Schalter, der die Vorstufe verdickt und sich auch über den mitgelieferten Fußschalter bedienen lässt. Keine Menüs, keine versteckten Anschlüsse: eine Klinkenbuchse, mehr nicht. Das ist eine radikale Entscheidung, die Charme und Grenzen des Verstärkers gleichermaßen erklärt — wobei das Fehlen eines Effektwegs für Freunde von Delay- und Reverb-Pedalen am schwersten wiegt.
Der Lautsprecher ist ein Celestion A-Type, spezifisch für diese Version IV. Der Zusammenbau unseres Exemplars ist sauber, die Potentiometer laufen mit beruhigendem Widerstand, und bei hoher Lautstärke scheppert nichts. Ein Vorbehalt auf Dauer: Das Chassis sitzt in einem recht leichten Sperrholzgehäuse, und die Kunststoffecken schützen bei intensivem Transport schlechter als ein richtiger Satz Metallecken. Für Zuhause, Proberaum und lokale Bühnen reicht das reichlich.
Klang
Zuerst der Cleansound, denn er ist der Kaufgrund Nummer eins. Volume auf 3, Master offen, Klangregelung auf zwölf Uhr: Der Fender-Sound ist sofort da. Hell, ohne aggressiv zu sein, mit jener leichten Mittenabsenkung, die Akkorde atmen lässt und Gitarren mit Singlecoils zur Geltung bringt. Unsere Stratocaster findet genau das erwartete Terrain, glockige Zwischenpositionen inklusive. Mit Humbuckern verdickt sich der Klang, und der FAT-Schalter wird weniger nötig; mit Singlecoils fügt derselbe Schalter für Soloparts willkommenen Körper hinzu.
Die Magie entfaltet sich wirklich, wenn man Volume über 5 dreht. Die Vorstufe beginnt zu komprimieren, die Ansprache wird samtig, und man erhält jenen Röhren-Crunch, der auf das Spiel reagiert: Kräftig mit dem Plektrum angeschlagen beißt der Klang, sanft gespielt oder mit zurückgedrehtem Gitarrenvolumen wird er fast wieder clean. Das ist das Verhalten, das keine Simulation ganz nachbildet, und es macht diesen Verstärker bei Blues oder klassischem Rock so angenehm. Voll aufgedreht liefert er eine raue Sättigung, eher Garage als Hardrock: Wer mehr Gain will, greift zum Pedal — und der Verstärker nimmt es bemerkenswert gut an. Ein Ibanez Tube Screamer TS9 vor dem leicht angezerrten Kanal bleibt eine der bewährtesten Kombinationen des Fachs.
Der Federhall verdient eine eigene Erwähnung. Weich, nie metallisch, fügt er sich in den Klang ein, statt sich darüberzulegen. Zwischen 3 und 4 gibt er dem Cleansound jene Studiotiefe, die alles Gespielte schmeichelt. Über 6 landet man im Surf-Terrain, was ebenfalls eine Qualität ist.
Unter realen Bedingungen
Zu Hause sei es gleich klargestellt: 15 Röhrenwatt sind laut. Der Master erlaubt das Spielen bei vernünftigem Pegel mit gutem Klang, doch der Sweetspot des Crunch verlangt eine Lautstärke, die die Nachbarn bemerken. Das ist die bewusst in Kauf genommene Kehrseite der Vollröhrentechnik.
Im Proberaum zeigte sich der Blues Junior IV kräftiger, als seine Größe vermuten lässt. Der 12-Zöller projiziert gut, und gegen einen maßvoll spielenden Schlagzeuger hält der Cleansound ohne Zucken stand. Gegen unseren energischsten Schlagzeuger musste man wählen: die Lautstärke erhöhen und akzeptieren, dass sich der Clean mit Crunch färbt, oder den Verstärker abnehmen. Nichts Ausschlaggebendes — aber wenn dein Pflichtenheft einen kristallinen Cleansound bei Konzertlautstärke verlangt, musst du leistungsstärker zielen oder die systematische Beschallung akzeptieren.
Auf der Bühne ist das Format ein logistisches Glück: eine Hand für den Verstärker, eine für die Gitarre, Aufbau in dreißig Sekunden, keine Einstellungen zu wiederholen, da alles auf sechs Reglern liegt. Das Fehlen eines Effektwegs zwingt dazu, Delays und Modulationen vor den Verstärker zu setzen; auf einem Kanal von Clean bis leichtem Crunch funktioniert das gut, doch stark verzerrte Sounds mit Delay dahinter stehen schlicht nicht auf der Karte.
Preis-Leistung
Der Blues Junior IV nimmt eine besondere Position ein: teurer als sehr ausgereifte Modeling-Combos, günstiger als die meisten Röhrencombos vergleichbarer Leistung aus Boutique-Manufakturen. Was du bezahlst, ist eine echte Vollröhrenschaltung, ein 12-Zoll-Celestion und eine seit drei Jahrzehnten bewährte Fertigung — samt des soliden Wiederverkaufswerts, der zu diesem Standardstatus gehört.
Was du nicht bezahlst, sollte man wissen: keinen zweiten Kanal, keinen Effektweg, keinen Kopfhörerausgang und keinen Leistungsabschwächer — alles Ausstattungen, die bei jüngeren Röhrenkonkurrenten wie dem Marshall DSL20HR mit umschaltbarer Halbleistung üblich geworden sind. Der Blues Junior setzt alles auf die Qualität seiner einen Schaltung. Für Gitarristen, die ihren Klang mit Pedalen aufbauen, ist das eine stimmige und dauerhafte Investition; wer alles in einer Kiste will, legt sein Budget besser anderswo an.
Fazit
Nach zwei Monaten des Zusammenlebens bleibt der Fender Blues Junior IV die Definition des unkomplizierten Röhrencombos: ein authentischer Fender-Clean, ein Crunch, der auf das Spiel reagiert, ein köstlicher Federhall — und das alles in einem Format, das man ohne Nachdenken transportiert. Die Version IV verfeinert das Rezept, ohne es zu verraten, und der Celestion A-Type gibt ihr präsentere Mitten, die ihr gut stehen.
Er richtet sich an Freunde von Blues, klassischem Rock und mit Pedalen geformten Cleansounds, an alle, die in kleinen bis mittleren Räumen proben und spielen, und an alle, die einen ersten echten Röhrenverstärker wollen, der seinen Wert behält. Er passt weder zu Metal-Spielern noch zu Anhängern nächtlicher Stille noch zu allen, die von einem modernen Verstärker vollständige Anschlüsse erwarten. Für alle anderen ist er ein Klassiker, der seinen Status verdient hat.
Preise als Richtwerte.
Getestet über zwei Monate, in der Wohnung, im Proberaum und auf zwei Barbühnen, mit Stratocaster und Les Paul, allein und anschließend mit Overdrive-, Delay- und Modulationspedalen davor.
Stärken
- Der Fender-Röhren-Cleansound, unmittelbar und ohne komplizierte Einstellung
- Musikalischer Crunch, sobald die Lautstärke steigt, sehr spielsensitiv
- Integrierter Federhall, warm und gut dosiert
- Kompaktes Format und moderates Gewicht für einen 12-Zoll-Combo
- Per Fuß schaltbare FAT-Schaltung, praktisch zum Verdicken von Soli
Schwächen
- Nur ein Kanal: keine moderne Verzerrung ohne Pedal
- Begrenzte Clean-Reserve bei hoher Lautstärke gegen einen energischen Schlagzeuger
- Weder Effektweg noch Aufnahmeausgang
- 15 Röhrenwatt sind für eine Wohnung bereits sehr laut
Häufige Fragen
Ist der Fender Blues Junior IV laut genug fürs Bandspiel?
In den meisten Fällen ja. Seine 15 Röhrenwatt an einem 12-Zoll-Lautsprecher halten im Proberaum gegen ein Schlagzeug mit und decken kleine Bühnen ab. Gegen einen sehr kräftigen Schlagzeuger beginnt der Cleansound allerdings zu komprimieren: Dann heißt es abnehmen oder einen leichten Crunch akzeptieren.
Was unterscheidet den Blues Junior III vom Blues Junior IV?
Der IV übernimmt die Formel des III mit überarbeiteter Vorstufe für einen definierteren Cleansound, verbessertem Federhall, einem neuen Celestion-A-Type-Lautsprecher und modernisierter Optik. Größe, 15 Watt Leistung und Bedienlogik bleiben identisch: eine Weiterentwicklung, keine Revolution.
Kann man mit dem Blues Junior IV Rock oder Metal spielen?
Klassischer Rock funktioniert sehr gut mit einem Overdrive-Pedal vor dem Verstärker, der Booster liebt. Für Metal und hohe Verzerrungsgrade ist er das falsche Werkzeug: Der einzige Kanal bleibt auf Clean und Crunch ausgerichtet, und es gibt keinen Effektweg, um eine Verzerrung hinter der Vorstufe einzuschleifen.
Müssen die Röhren des Blues Junior IV regelmäßig gewechselt werden?
Im häuslichen Betrieb erst nach mehreren Jahren. Die EL84-Endstufenröhren verschleißen mit den Stunden bei hoher Lautstärke: Ein Wechsel steht an, wenn der Klang an Dynamik oder Brillanz verliert. Die 12AX7 der Vorstufe halten meist noch länger. Eine aufwendige Bias-Einstellung ist bei diesem Modell nicht nötig.