Dunlop Cry Baby GCB95 im Test: unser Urteil nach einem Monat

Einleitung
Ein Monat mit dem meistverkauften Wah der Geschichte, und das Urteil passt in zwei Sätze. Ja, das Dunlop Cry Baby GCB95 liefert genau den Klang, den du im Kopf hast — den von Hendrix, von Slash und von fünfzig Jahren Plattengeschichte —, in einem Gehäuse, das deine Karriere überleben wird. Und ja, seine Schwächen sind ebenso authentisch: ein Hardwire-Bypass, der den Klang selbst bei ausgeschaltetem Pedal leicht eintrübt, keine LED und null Regler. Es ist ein Denkmal roher Wirksamkeit, das sich seit den 1960er-Jahren kaum verändert hat — zum Guten wie zum Rest. Zu diesem Preis lässt sich der Kompromiss sehr gut vertreten, sofern man weiß, was man kauft.
Design und Verarbeitung
Das GCB95 aufs Pedalboard zu stellen heißt, ein Objekt hinzustellen, das nichts beweisen muss. Das Druckgussgehäuse wiegt allein 1,68 kg, mehr als drei Kompaktpedale zusammen, und flößt sofort Vertrauen ein: Die Wippe läuft geschmeidig, aber straff, der rutschfeste Belag greift die Sohle gut, und das Ganze bewegt sich beim Spielen im Stehen keinen Millimeter. Die US-Fertigung ist sauber, nirgends mechanisches Spiel. Es ist die Art Objekt, die man gebraucht findet — verbeult, zerkratzt und nach zwanzig Dienstjahren einwandfrei funktionsfähig.
Das Innenleben folgt derselben Philosophie: eine einfache Schaltung um das berühmte 100-kOhm-Poti Hot Potz und eine rote Fasel-Induktivität, das Herzstück des Voicings in der aktuellen Version. Der Aktivierungsschalter sitzt unter der Pedalspitze und verlangt am Ende des Wegs einen entschlossenen Druck: Die Bewegung wird binnen weniger Tage zum Reflex, auch wenn Einsteiger den Effekt beim Spielen mit angehobener Ferse gelegentlich unbeabsichtigt einschalten.
Zwei Archaismen sollte man von vornherein akzeptieren. Erstens zeigt keine LED an, ob der Effekt aktiv ist: Auf einer dunklen Bühne entscheidet allein das Ohr. Zweitens verlangt der Batteriewechsel das Abschrauben der Bodenplatte mit einem Kreuzschlitzschraubendreher; ein 9-V-Netzteil erledigt die Frage endgültig, liegt aber nicht bei.
Klang
Zwischen Gitarre und einen leicht angezerrten Verstärker geschaltet, erzeugt das GCB95 augenblicklich den erwarteten Klang — und das ist seine größte Stärke. Der Sweep reicht von einem näselnden, vokalen Tiefton bis zu einer stechenden, aber musikalischen Höhe, mit jenem „Cocked Wah“-Charakter, der sich in allen Zwischenstellungen nutzen lässt. Die rote Fasel-Induktivität gibt präsente Mitten und eine Spur Aggressivität, die sich im Bandmix gut durchsetzt.
Clean verwandelt das Wah drei Pentatonik-Töne in eine glaubwürdige Funk-Linie; Shaft-artige Akkordanschläge kommen wie von selbst, und der großzügige Pedalweg erlaubt ein wirklich feines Spiel, vom dezenten Flirren bis zum übertriebenen Sweep. Mit Verzerrung, vor einem Distortion-Pedal wie dem Boss DS-1 platziert, liefert es die singenden Leads der Siebziger und Achtziger: Die Pedalstellung wird zu einem zweiten Vibrato, ausdrucksstark und unmittelbar.
Der technische Punkt, den man kennen sollte, betrifft Vintage-Fuzzes: Eine Germanium-Transistor-Fuzz direkt hinter dem Wah reagiert schlecht auf dessen Ausgangsimpedanz, mit einem abgewürgten Klang als Folge. Mit einer Big Muff, moderner konstruiert, stellt sich das Problem nicht, und das Duo liefert massive, vokale Soli von schönster Wirkung.
Bleibt das heikle Thema: der Hardwire-Bypass. Bei ausgeschaltetem, aber in der Kette liegendem Pedal ist auf einem hellen Cleansound ein leichter Höhenverlust hörbar, besonders bei langen Kabeln. In der Band fällt das Phänomen nicht auf; zu Hause, auf einem kristallinen Clean, bemerkt es ein aufmerksames Ohr. Das ist der Preis der Treue zur historischen Schaltung.
Unter realen Bedingungen
Im Proberaum erwies sich das GCB95 als der unmittelbar befriedigendste Effekt auf dem Pedalboard: keine Regler zu justieren, kein Preset abzurufen — der Fuß macht alles. Es ist außerdem ein hervorragender Lehrmeister in Sachen Dynamik, denn das Wah legt gnadenlos offen, wie gleichmäßig deine Anschlagshand arbeitet.
Gewicht und Platzbedarf zahlt man beim Aufbau des Pedalboards: Das GCB95 belegt den Platz von drei Standardpedalen und beschwert die Tasche spürbar. Dafür steht es ohne Klett oder Befestigung auf dem Boden, allein durch seine Masse stabil, was es zum idealen Begleiter für leichte Setups aus Gitarre, Wah und Verstärker macht.
Die fehlende LED hat uns den klassischen Streich gespielt: ein Song, unwissentlich mit eingeschaltetem Wah begonnen, näselnder Klang inklusive. Man lernt schnell, vor jedem Stück mit einem kurzen Anschlag zu prüfen — aber eine simple Diode hätte die Frage vor vierzig Jahren erledigt.
Preis-Leistung
Zu diesem Preis, in den USA gefertigt, nahezu unzerstörbar und Träger des Referenz-Wah-Klangs: Die Rechnung des GCB95 bleibt solide gegenüber einer auf dem Papier besser ausgestatteten Konkurrenz. Moderne Alternativen ergänzen True Bypass, LED und einstellbare Voicings für einige Dutzend Euro mehr, und Dunlops eigene Cry-Baby-Reihe deklinierte die Formel in alle Richtungen.
Das Standard-GCB95 behält für sich die Reinheit der Bewegung und einen soliden Wiederverkaufswert. Es ist der rationale Kauf, um das Wah kennenzulernen und anschließend in Kenntnis der Sache zu entscheiden, ob sich ein raffinierteres Modell lohnt. Viele werden nie weitergehen.
Fazit
Das Cry Baby GCB95 ist ein Klassiker im vollen Sinne: ein Objekt, dessen Klang, Robustheit und Schwächen zum Erbe des Instruments gehören. Nach einem Monat hat es einen festen Platz in unserem Funk- und Rock-Setup erobert, und der Wunsch nach einem moderneren Modell meldete sich beim Spielen nie wirklich — nur beim Aufbau des Pedalboards.
Es richtet sich an alle, die den historischen Wah-Klang ohne Umschweife wollen, an Freunde von Funk, Bluesrock und Seventies-Leads, und an alle, die ein einfaches, ewiges Werkzeug einem Schweizer Taschenmesser vorziehen. Wer den perfekten Cleansound jagt, wer aufs kompakte Pedalboard schwört und wer Optionen liebt, greift zu den neueren Varianten. Für die Urgeste bleibt das Original ein sicherer Wert.
Preise als Richtwerte.
Getestet über einen Monat, im Proberaum und zu Hause, an Stratocaster und Les Paul, clean und verzerrt, vor Overdrive, Distortion und Fuzz, über einen Röhrencombo.
Stärken
- DER Wah-Klang aus fünfzig Jahren Plattengeschichte
- Nahezu unzerstörbares Gehäuse aus Druckgussmetall
- Natürlicher Pedalweg, ab der ersten Minute ausdrucksstark
- Keinerlei Regler: einstöpseln und spielen
- Moderater Preis für eine US-Fertigung
Schwächen
- Hardwire-Bypass, der die Höhen anknabbert, sobald das Pedal in der Kette liegt
- Keine LED: ohne zu spielen ist nicht erkennbar, ob der Effekt an ist
- Batteriefach von unten, Schraubendreher zwingend
- Keine Voicing-Einstellung, die die Konkurrenz durchaus bietet
Häufige Fragen
Wohin gehört das Wah in der Effektkette?
An den Anfang der Kette, vor Overdrives und Verzerrer: Das Wah formt dann das Signal, das die Zerre anschließend verdichtet — das ist der klassische Sound. Hinter der Verzerrung platziert, ergibt sich ein synthetischerer, aggressiverer Sweep. Sonderfall: Vintage-Fuzzes reagieren direkt hinter einem Wah schlecht, weshalb ein Buffer dazwischen sinnvoll ist.
Ist das Cry Baby GCB95 True Bypass?
Nein, es nutzt einen Hardwire-Bypass, der auch bei ausgeschaltetem Pedal in der Schaltung bleibt — mit einem leichten Höhenverlust als Folge. Das ist der Hauptkritikpunkt an diesem historischen Modell. True Bypass lässt sich nachrüsten, und mehrere höherwertige Cry Babys bringen ihn ab Werk mit.
Was unterscheidet das GCB95 vom Cry Baby Mini?
Das Mini greift den Geist des GCB95 in einem halb so langen Gehäuse auf, mit True Bypass und einem Wahlschalter für drei Voicings. Es gewinnt an Funktionen und Platz auf dem Pedalboard, doch der kürzere Pedalweg mindert die Ausdrucksfeinheit etwas. Das GCB95 behält den Vorteil der weiten Bewegung und des Preises.
Lässt sich das Cry Baby GCB95 mit einem Bass verwenden?
Technisch ja, aber sein Filter ist auf Gitarre abgestimmt und beschneidet das untere Spektrum, sobald das Pedal aktiv ist. Bassisten sind mit der eigens dafür gebauten Cry Baby Bass besser bedient, deren Filter die Tiefen erhält und deren Mix den Grundton des Instruments bewahrt.